Meine Rezensionen

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Deppen vorgeführt

Janne Teller: „Nichts Was im Leben wichtig ist“

Von Horst Nägele

»EIN BRUTALES UND MUTIGES BUCH. DIE ZEIT« steht auf dem knallroten Aufkleber eines aus dem Dänischen übersetzten Bändchens mit dem vermutlich gewollt unklaren Titel NICHTS Was im Leben wichtig ist (der, wo’s dadurch besser ankommen soll, auch mal als zu NICHTS gekürzt auftritt). Brutalität, Barbarei, eine Mutigkeit – nein danke!

Von einigem literarischen Interesse könnte das Büchlein wegen einiger Passagen so ab dem achtzehnten Kapitel sein, wo aus dem sonst wenig stimmigen Handlungsstrang sich ergebend das schreibende Ich seine Hurrah-Statisten als Deppen vorführt.

Der Buchtitel wie auch die einleitenden Sätze mit Variationen (wie sie ähnlich zum Beispiel in buddhistischer Literatur, bei Schopenhauer, bei Kierkegaard, bei Georg Büchner und etwas weitergeführt bei J. P. Jacobsen vorkommen) sollten sicher zum Nachdenken auffordern. Der Protagonist wurde schnell ausgegrenzt und am Schluss der Geschichte sadistisch hingemordet, was obendrein durch ein konstant aus dem Geschehen sich in den Vordergrund schiebendes weibliches »Ich« mit den Worten »Und ich weiß, dass man mit der Bedeutung [Bedeutung ist das Schlüsselwort der gesamten Handlung] nicht spaßen soll« kommentiert wird, unmittelbar gefolgt von einem vom übrigen Text abgehobenen Schlusssatz des ganzen Buches: »Nicht wahr, Pierre Anthon [das ist der Name des sadistisch hingemordeten Protagonisten]? Nicht wahr?«

Die prospektiven Bestsellerkunden reichlich bedienend wird in dem Buch konstant mit Gewaltandrohungen herumgeworfen und gegenseitiges Quälen, Abhacken von Körperteilen, psychischer Terror zur Darstellung gebracht wie auch mit einer aus diesem Kontext geschehenen psychisch nachhaltigen Vergewaltigung gespielt. Dazu war der Autorin, Janne Teller, zwanghaftes Mobbing in einer Schulklasse als Ausgangspunkt gerade recht, so ein Tatort ›Schulklasse‹ hat sich schon immer für umsatzfördernde Etikettierungen »Kinderbuch« angeboten. Entsprechend wird die deutsche Ausgabe von einer Abteilung ›Kinder- und Jugendbuch‹ des deutschen Verlegers betreut. Als lebten wir in einem Niemandsland, wo keiner die Verantwortung hat und niemand zu einem Regress herangezogen wird. In erster Linie zu hinterfragen wäre indessen die leichtfertige Prämierung der dänischen Originalausgabe durch das dänische Kulturministerium wie auch das unbekümmerte Ausschlachten des Buches durch die dänischen Schulbehörden für Examensaufgaben trotz begründeter mehrfacher Einwände von kompetenter Seite. Und was von vielen befürchtet wurde –dass junge Leser verschreckt und verstört vom Buch sind und gefährdet in der ihnen zustehenden seelischen Unversehrtheit – ist längst eingetreten.

Der Rezensent hat Sachbücher mit buddhistisch orientierten Meditationsanleitungen geschrieben, er vertritt eine zuträgliche Kommunikation in einer Bürgergesellschaft im Sinne des dänischen Theologen Grundtvig, des Initiators der Volkshochschulbewegung, und er ist Autor von Band 117, J. P. Jacobsen, der Sammlung Metzler.

 

Hoch  

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Gotisches Ambiente

In der Übersetzungsfalle: August und die Welt dahinter

Von Dr. Horst Nägele, Assens

Alles und auch alles hängt in diesem Buch an dem dänischen Titel „August går i Glemmebogen“ (wortwörtlich `August geht in das Vergessenbuch´), der auf einen alltäglichen dänischen Sprachbrauch baut und obendrein mehrdeutig ist – im Deutschen so nicht nachvollziehbar -und aus dem sich ein durchaus stimmiges Geschehen entfaltet. Die Sprache des Buches ist in Verbindung mit einer spezifisch dänischen Sozialisation zu sehen, die bekannterweise von den pädagogischen Verhältnissen in Deutschland himmelweit entfernt ist.

In der deutschen Übersetzung durchschimmernd ein zwingender Verlauf in die Anderswelt einer Fantasy zum Teil mit gotischem Ambiente. Und zuweilen (siehe Seite 175 der deutschen Übersetzung) kommt es einem vor, als ob eine Vorliebe für Gewalttaten, Vergewaltigungen gepflegt werden wolle, womöglich auch noch verbunden mit einem Sich-Gefallen in der Opferrolle nach dem wohlbekannten mitteleuropäischen Motto Die Nazis waren die anderen. Die deutsche Übersetzung wirkt unklar, nicht treffend, in hohem Maße ungereimt, kann zudem niemals als vorbildlich für den Gebrauch der deutschen Sprache gelten, wie man es von einem deutschgeschriebenen KINDERBUCH erwarten darf.

Erik Barfoed:

August und die Welt dahinter

Fischer Verlag 2007,

207 S., 10,90.-

ISBN-10: 3596852331

ISBN-13: 978-3596852338

Ab 8

Der Rezensent ist Skandinavist und Autor des Buches „Lebenslanges Suchen. Zwischen Europa 1912 und immer wieder Afrika“ (2007)

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