Meine Gedichte

Zeitlos

Aus dem Vorwort zu › z e i t l o s   z e i t  – UNPOLITISCHE UND POLITISCHE GEDICHTE‹, 2008, Verlag Turnshare):

Wir sprechen, sprechen zu anderen, und wir sprechen zu uns selber, wir sprechen in der Weise zu uns selber wie man zu anderen spricht. Wir drücken uns so aus, wie wir meinen, dass etwas gesagt werden muss, um verstanden zu werden.

Wir möchten verstanden werden. Und nicht immer fühlen wir uns verstanden. Um sicher zu gehen meinen wir einiges auch noch durch Fußnoten erläutern zu müssen. Sind wir auch damit noch nicht zufrieden, stellen wir die Sätze um, vertauschen wir die Wörter, erfinden neue Ausdrücke, um möglichst präzise zu formulieren. Denn das, was wir zum Beispiel in der Natur oder in den menschlichen Beziehungen beobachten, soll ja genauestens weitervermittelt werden.

Dann möchten wir uns manchmal auch Luft machen über das, was uns so alles zugemutet wird von Politikern und durch Journalisten. Da gilt es näher hinzuhören, die verwendete Sprache mitzuvollziehen, sie gegebenenfalls zu korrigieren.

Hinhören auf das, was andere und auch was wir selber sagen, entwickelt ein Gespür dafür, was unsere Sprache so alles vermag. Und in der Folge werden wir uns auch nicht mehr so leicht ein x für ein u vormachen lassen.

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meine geschichte
von geschichten
entschichtet

(

Oktober 28, 2009

paradiesgarten

(ein HAIKU)

warm in der rundung

leises sprießen verzaubert

im zarten vergehn

In: Horst Nägele, zeitlos zeit. UNPOLITISCHE UND POLITISCHE GEDICHTE, London: Turnshare Ltd./edition lyrik, 2008, S. 62

zeitlos zeit
ISBN: 978-1-84790-010-4 
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der kalte markt

(ein zweistrophiges HAIKU, aus: schmiegende brecher, unbe-scholtene gedichte aus weiten gärten, 2004, Mitteldeutscher Literaturverlag AMICUS).(Eingestellt in LYRIKWELT/Nägele, Link: LYRIKWELT/Nägele )


träumen von all dem
das nicht da das für sie ist
auf dem kalten markt

greifen’s feste an
möchten das leben leben
weitererzählen

    Schmiegende Brecher

das heilige morgenmahl

 (ein mehrstrophiges HAIKU)

züngelnde zungen

ineinander verschwungen

adam und eva

wollen beschleichen

die aufgehende sonne

unter der erbse

die auferstehung

mit den prüfenden lippen

den kelch segnend

den köstlichen wein

in heiliger umarmung

zergehen lassen

zur morgenandacht

auf dem baume des lebens

ineinander vergessen

die himmelsgaben

der aufgeklappten sonne

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In: Horst Nägele, zeitlos zeit. UNPOLITISCHE UND POLITISCHE GEDICHTE, London: Turnshare Ltd./edition lyrik, 2008, S. 118

zeitlos zeit
zeitlos zeit

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Finanzielle Weltgeschichte

September 29, 2009

weiter immer wieder weiter

de geldbronnen

van het nationaal-socialisme

drie gesprekken met hitler

mit ihm allein

unter demokraten

was wär’ aus uns geworden

ohne spritzen ohne qualen

nein nein vergessen’s nie

undankbar schon gar nicht

vergessen wir’s

sind längst wieder mit

immer dankbar

immer wieder

weiter immer wieder weiter

Dieses Gedicht »weiter immer wieder weiter« wurde durch eine Publikation ›Finanzielle Weltgeschichte. Das III. Reich im Dienste der internationalen Hochfinanz. Gemeinnutz vor Eigennutz‹ von RENÉ SONDEREGGER (Zürich: Resoverlag, 1936 – KULTURPOLITISCHE SCHRIFTEN, Heft 8) veranlasst, die sich beruft auf ein 99 Seiten starkes auf holländisch geschriebenes und bei Erscheinen »völlig im Dunkeln« verschwundenes bekennerisches Büchlein ›De Geldbronnen van het Nationaal-Socialisme. Drie Gesprekken met Hitler door SIDNEY WARBURG‹, vertaald door J. G. SCHOUP (Amsterdam: van Holkema & Warendorf’s Uitg.Mij. N.V., 1933), bestehend aus drei Kapiteln, die mit den Jahreszahlen 1929, 1931 und 1933 überschrieben sind, und einem Vorwort, dessen Überschrift mit »Wie es kam« übersetzt werden kann (siehe SONDEREGGER, S. 16 ff.). Unter anderem wird mitgeteilt, dass an die 200 Millionen Reichsmark über genau benannte Bankhäuser an Adolf Hitler als sozusagen den Garant eines geordneten Staatsbudgets geflossen seien. Besagte »Summe«, so Sonderegger, »entspricht dem Preise, den Hitler für den Umsturz und die legale Machtübernahme in Deutschland gefordert hatte. Der Nutzen dieser Machtübernahme für das amerikanische Kapital war die Sicherstellung der amerikanischen Anlagen, die Erhaltung der deutschen Währung und die Sicherheit für die ordentliche Abwicklung der weiteren amerikanischen Geschäfte« (SONDEREGGER, S. 17).

(In: Horst Nägele, SCHMIEGENDE BRECHER. Unbescholtene Gedichte aus weiten Gärten, 2004, amicus-verlag/Reihe LYRIK)

ISBN 3-935660-54-5        Schmiegende Brecher

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Prominenz

September 28, 2009

zu gast bei anna veronika

 (In: Horst Nägele, ZEITLOS ZEIT, Verlag Turnshare, London, 2008)

ach ja
auch wenn man
gut drauf
ganz oben auf der karriereleiter
entdeckt man
natürlich
dass man
zieh ich mir ein teeshirt an
seh mir einen schönen film an
karriere feiern
sektglas anstoßen
korkenknall
schön geknallt
in schubsigen schüben
im wasserbett
zum üben
beschnuppern
endlich mal
so was wie sex
einige gedanken
ans denken verwendet
an die ganz neuen
gästinnen und gäste
unseres kulturellen lebens
in der modernsten moderne
auf hohem hochniveau
richtig gut gegessen
ordentlich mal ex

zeitlos zeit
zeitlos zeit

 

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Das Modernste

September 28, 2009

popo der welt
(In: Horst Nägele, ZEITLOS ZEIT, Verlag Turnshare, London, 2008)

 das modernste der moderne
in der po po postmoderne
des modernen menschen
der po po postmodernen moderne

zeitlos zeit
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Deutscher Geist

August 16, 2009

deutsche größe

(nach den Eingangsversen im Siebenten Buch des in deutscher Sprache in der Tradition des literarischen Rokkoko geschriebenen Epos Adam und Eva, oder Die Geschichte des Sündenfalls des deutsch-dänischen Dichterphilosophen JENS BAGGESEN [1764 – 1826]; kommentiert und diskutiertiert in Horst Nägele, Der deutsche Idealismus in der existentiellen Kategorie des Humors. Eine Studie zu Jens Baggesens ideolinguistisch orientiertem Epos ›Adam und Eva‹, Neumünster: Wachholtz 1971 [SKANDINAVISTISCHE STUDIEN, Band 1, S. 100 f.])

tiefgründig zu erkennen
des deutschen los
was andre tun
genügt ihm zu benennen
über den anfang zu spekulieren
sich im was war
nicht ganz so war zu verlieren
ist in deutschland groß
der geist des geistes
wie können’s andre erkennen
was tiefgründig zu benennen

(In: Horst Nägele, ZEITLOS ZEIT, Verlag Turnshare, 2009)

zeitlos zeit
zeitlos zeit

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Niemandsland

August 15, 2009

vermessung

überall
ein ort
hier und dort
zwischendrin
ein land
schon immer
unbekannt

horst nägele

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Achtung

August 15, 2009

tagtraum

was gemacht
kann sich immer sehen lassen
im purpurschrank die feinen tassen
klimpern sanft und brüllen sacht
nehmen sich in acht

horst nägele

Deutscher Beitrag

August 15, 2009

stuckfuck

fuck
never get stuck
it’s just fuck

horst nägele

feuchtfieber

ai äm sexy

änd ai nou it

wou wou wou

änd ai wou it

kladdera kladdera

klatschend klaffend

eingespermte spargelspalte

fieberfeuchtextra

versilbert

horst nägele

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heiße nacht

das heiße der banane

im berg des heilgen baal

der wachstumsgöttin schnucki

in ihrem kalten saal

zum abendmahl

         horst nägele

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wagnis moderne

hinter der kaserne
das wagnis moderne
hinein in den fondmüllspeienden multischoß
gehärteter softmixkonzerne
die multiple wachstumsoß
aus schießendem eichelkerne
den superstoß
hinein in den gewaschenen euroschoß
das wagnis moderne
hinter der kaserne

(Eingestellt in LYRIKWELT/Nägele, Link: LYRIKWELT/Nägele )

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Zum Gedenken an den Einfall in Polen

August 15, 2009

NS-Zeit nach 1945

Von horst naegele

fänger im weizen

(aus:  z e i t l o s   z e i t  – UNPOLITISCHE UND POLITISCHE GEDICHTE, 2008, Verlag Turnshare)

 krieg nicht verloren

wo’s doch mit befreiung geht

zeitlos zeit
zeitlos zeit

niemals besiegt

im zuge der befreiung befreit

zwölf jahre lang

suchte der vater

in den widerstand

das arme kind

marschierte ins polenland

überlebt zur großen

rede im höchsten amt

für den signiertisch

immer frisch

das ungenannte umbenannt

www.sprachgeregelt.de/presserat

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befreite söhne

betroffen
als post-postdeutscher
schämt sich der eine
für die seinen
die sprachlos
nicht wissen
damals nichts merkten
nichts verhinderten
in der reichskanzlei
handwerker waren
fließbandarbeiter
im eigenen weiterkommen
niedertrampelten was im wege
nach dem kriege
ferner kompatibel
hat der andre sich gestellt
rede nochmals von oben
die jetztdeutschen wollten
nicht etwa glauben
sie hätten diesen krieg
verloren
wurden besser gesagt
fünfundvierzig befreit
durch die siegermächte
von schreckensherrschaft
nicht von der väter söhne
die kriegsfreiwillig
hinaus- und hineinmarschierten
neununddreißig in polen
im namen aller deutschen
neunzehnneunzehn
zurückzudrehn
als des führers rechte hand
habe mit blick auf die beute
sein vater das schlimmste
ersparen wollen
den altdeutschen deutschen heute
die ihre kriege niemals verloren
vielmehr befreit
vom hineinmarschieren heute
den toten es schlagen um die ohren

(In: Horst Nägele, ZEITLOS ZEIT, Verlag Turnshare, 2008)

zeitlos zeit
zeitlos zeit

LINK ZUM VERLAG:  ZEITLOS ZEIT

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die leiden des alten wärter

dreiunddreißig

fünfundvierzig

achtundsiebzig

nullundsieben

ist geblieben

was damals rechtens war

kann jetzt nicht unrecht sein

ns-vollzugsjustiz ist stets bereit

nachdem das land von sich befreit

direkt vom befreier

dem furchtbarsten ungeheuer

fürs schnurstracks gezündet’ feuer

richtige vollstreckungseier

zwölf gewehre

euch zur lehre

wird erschossen

frei entschlossen

die stunde null genutzt

schön noch weggeputzt

kann niemals unrecht sein

achtundsiebzig noch im mai’n

wurde halt benutzt

gilt’s festzuhalten nullundsieben

keinen einz’gen umgebracht

hatte nicht entscheidungsmacht

war die schreckliche zeit

wer war denn schon gefeit

die öffentliche rede

ernst gemeint wie jede

bleibe so stehn

wäre ja gelacht

wollen das mal sehn

von wegen

alles mitgemacht

nehmen wir’s mal sacht

keiner stemme sich dagegen

intim im team

gegner vom ns-regime

wen soll denn das bewegen

in unsrer mitten

wird nicht lang gestritten

ganz schrecklich

demokratie erlitten

              horst nägele

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losung

woher des wegs
bist du einer von diesen
bist du einer von jenen
bist du was weiß ich wer
irgendwo gehörst du hin
wie es schien
so eine generation
das ist’s ja schon
heut’ wie einst
einst wie heut’
nichts ist wer
halt nur zur wehr
dreiunddreißig in bewegung
fünfundvierzig ach nein
ach ja es war die nazizeit
im nazideutschland
ganz entsetzlich
leben gegeben
für demokratie
kommt’s aus ötzis mund
marinerichter
der letzten und der ersten stund’
im widerstand
zum erschießen
mit name unbekannt

horst nägele

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