LIEBE LEBEN

Dezember 8, 2010

Beziehungsstress wegmeditieren

Das ist mal eine andere Art von Beziehungsratgeber. Nägele gibt keine Tipps à la »So finden Sie Ihren Traumpartner« oder »Probieren Sie das, wenn es mal im Bett nicht klappt«. Es geht ihm um die Steigerung der Liebesfähigkeit an sich. In unserer Kindheit wurden Muster festgelegt, die uns in unserer Beziehungsfähigkeit behindern. Ganz egal, wie glücklich augenscheinlich die Kindheit war, Nägele weiß, dass es keine perfekten Familien gibt.

Eltern können nicht alles richtig machen bei ihren Kindern, schon allein deswegen, weil sie noch unter den »Programmierungen« ihrer eigenen Eltern zu leiden haben. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Beispiele gewünscht, wie denn nun diese »Programmierungen « aussehen und wie sie sich später im Leben auswirken. Aber im Grunde weiß ich ja aus anderer Lektüre: Bringen die Eltern zum Beispiel dem Sohn bei: »Du wirst immer ein Versager sein«, wirkt sich das auf sein ganzes Leben, auch die Partnerschaft, aus. Womöglich wird er sich auch unbewusst eine Frau suchen, die ihm genau dasselbe vorwirft. Nägele rät nun, sich dieser schädlichen Programmierungen durch Meditation und Achtsamkeit gewahr zu werden und sie zu verabschieden. Ausführliche Anweisungen zum Meditieren folgen in einer Reihe von Meditationsübungen. Außerdem gibt es noch zur Pflege der Partnerschaft eine Anleitung zur Partnermassage und eine gesteuerte innere Reise. Das Buch ist flüssig zu lesen und unterscheidet sich durch seinen Fokus auf Achtsamkeit und Meditation doch sehr von den üblichen Ratgebern.              ——–Christine Höfig (connection, 5/2010)

Horst Nägele: Liebe leben, Verlag Zeitenwende 2009, 136 S., HC

Wer seine Partnerschaft bereichern und endlich dazu kommen will, wahrhaft und achtsam zu lieben, der findet in diesem Buch reichlich Anregungen und Überraschungen. (bewusster leben, 3/2010, BÜCHER-JOURNAL)

Das Buch ist flüssig zu lesen und unterscheidet sich durch seinen Fokus auf Achtsamkeit und Meditation doch sehr von den üblichen Ratgebern. Fazit: sehr gut. (connection, 5/2010)

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Buddhistische Meditation

Dezember 8, 2010

Liebe leben. Meditationen der Achtsamkeit für ein umsichtiges Miteinander ISBN 978-3-934291-57-7

     Wie sich Achtsamkeit entwickelt.

Liebe ist, wenn ich mich dir öffnen, in dir mich finden kann, wenn ich in dir wiedererkenne, was ich in mir selber spüre, wenn ich mich mit dir zusammen freuen darf, wir miteinander gedeihen, wenn wir ungestört uns entfalten können.

Dieser Liebe stehen vielfach die eigenen Befindlichkeiten und Gewohnheiten im Wege. Oft sind es auch fehlende Achtsamkeit und Umsichtigkeit, die das Zusammensein beschweren. Darum gilt es, sich von eigenen für die Partnerschaft schädlichen Eigenheiten zu verabschieden und die Achtsamkeit und Umsichtigkeit zu stärken. Dafür werden in diesem Buch eine Reihe von (Meditations-)Übungen zur Entwicklung und Festigung von Achtsamkeit und für ein umsichtiges Miteinander gegeben. Zudem sind für die Pflege der Partnerschaft Anleitungen für eine Partnermassage und eine gesteuerte innere Reise enthalten.

136 Seiten, Klappenbroschur
 (Verlag Zeitenwende, 2010,  ISBN 978-3-934291-57-7)

Aus dem   V O R W O R T

»Liebe macht blind« sagt ein altes Sprichwort, die große Liebe kann mit einer großen Enttäuschung enden. Es ist daher für zwei Menschen, die sich näher kommen, angebracht, auf einiges mehr zu achten als sie in ihrem ersten Glücksgefühl wahrnehmen möchten. Setzt eine stabile Beziehung doch voraus, dass beide Seiten mit den jeweils eigenen Voraussetzungen ins Reine gekommen sind.

Wie aber wird der erforderliche Selbstcheck zu bewerkstelligen sein? Man hat auf jeden Fall herauszufinden, was von den angebotenen Möglichkeiten für einen selbst am ehesten infrage kommt. Als hilfreich gilt insbesondere die seit zweieinhalbtausend Jahren bewährte Vipassana-Meditation aus der Schule des Theravada-Buddhismus. Die Vipassana-Meditation hat sich als geeignet erwiesen, nachhaltig Achtsamkeit zu entwickeln. Die einzelnen Schritte dahin sind hier in diesem praktischen Ratgeber ausführlich beschrieben. Wobei daran anschließend mit Blick auf ein umsichtiges Miteinander geeignete Visualisierungen aus der Tradition des tibetischen Buddhismus vorgestellt werden.

Die Umsetzung in die Praxis hat mit der stets aufs Neue hilfreichen Grundübung der einfachen Atembetrachtung zu beginnen. Dazu begibt man sich in eine geeignete Sitzstellung und konzentriert sich auf den jetzt verlaufenden Atemvorgang, wie er in den kontinuierlichen Bewegungen der Bauchdecke sich mitteilt. Wahrgenommen werden kann der Atemvorgang aber auch – was allerdings etwas schwieriger ist – in der Weise, dass man seine Aufmerksamkeit an die Stelle etwas unterhalb der Spitze der Nasenflügel bringt und dort die vom Atemfluss jeweils ausgelösten Reizempfindungen beobachtet. Die während der Sitzungen anfänglich noch störende spontane Gedankentätigkeit wie auch etwaige Empfindungen eines Unbehagens, auch die direkt von Schmerzen herrührenden, sind nach Möglichkeit nicht weiter zu beachten. Dadurch werden sie in das Feld der Betrachtung allmählich einbezogen und sind damit gleichermaßen wie der spontane Atemvorgang Gegenstand einer entspannten Konzentration. Mit der auf diese Weise zu erreichenden anhaltenden Achtsamkeit verlieren unheilsame Abhängigkeiten ihre Macht.

Die im Weiteren dargestellten Visualisierungsverfahren im Sinne des Vajrayana, für das der tibetische Buddhismus steht, sind mit ihrem produktiven Als-Ob in erster Linie einem allen Lebewesen zuträglichen Handeln förderlich.

Zur Pflege der Partnerschaft insbesondere sind zudem Tipps zu einer meditativ-intuitiven Partnermassage beigestellt. Zu weiterer Selbsterkundung ist die Beschreibung einer gesteuerten inneren Reise angefügt.

Die in diesem Buch gut zugänglich dargestellten Ratschläge wollen auf dem Weg zu einem gedeihlichen Leben die verlässliche Orientierung sein.

Bessprechung von Christine Höfig in CONNECTION

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Horst Nägele: Die Heilkraft der Meditation

   
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 Horst Nägele

Die Heilkraft der Meditation

Eine praktische Anleitung zum richtigen Erlernen meditativer Übungen. Das Buch zeigt die wichtigsten Hilfen in der Meditationspraxis und ist für Einsteiger konzipiert, die die häufigsten Fehler vermeiden möchten. Die gewählte Art der Meditation geht auf die Lehre des berühmten Gautama Buddha (um 560 bis 480 v. Chr.) zurück. Das schon damals im Prinzip genauso angewandte Verfahren wurde auch durch die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse unserer Zeit noch nicht eingeholt.

Nägele, Horst: Die Heilkraft der Meditation.

68 Seiten
Spurbuchverlag, 1997, ISBN 3-88778-193-7

Verpflichtende Realität

Dezember 28, 2009

HORST NÄGELE

„Selbstbestimmung contra heteronome Ansprüche. Zu Nikolaj Frederik Severin Grundtvigs Eintreten für eine offene, sich an den einzelnen Menschen zu orientierende Bürgergesellschaft“,  mit einem Exkurs zu Charles Sanders Peirce , in: MONDIALIKON. Zeitschrift für Denkkultur, Ausgabe 1, Jahrgang 1 (Autumnus-Verlag, 2010), pp. 4-23

MONDIALIKON. Zeitschrift für Denkkultur – das erste Heft. U. a. mit folgendem Beitrag:

Gesellschaft

Selbstbestimmung contra heteronome Machtansprüche

Zu Nikolaj Frederik Severin Grundtvigs Eintreten für eine offene, sich an den einzelnen Menschen zu orientierende Bürgergesellschaft

Von Horst Nägele

MONDIALIKON Zeitschrift für Denkkultur, Nr. 1/2010

Selbstbestimmung contra heteronome Machtansprüche

Zu Nikolaj Frederik Severin Grundtvigs Eintreten für eine offene, sich an den einzelnen Menschen zu orientierende Bürgergesellschaft

Von Horst Nägele

›Zuerst Mensch und dann Christ‹

Die neuhochdeutsche Schriftsprache als ein Überbau

Das Begriffspaar ›Idealismus‹ und ›Materialismus‹ mit Bezug auf Napoleon

Grundtvigs Angebot eines direkten Dialogs mit einem deutschsprachigen Publikum

Friedrich Schillers Dramen als ein ›Blendwerk‹

Die Setzungen der idealistischen Philosophie als Ausdruck einer Lebensverneinung

Friedrich Wilhelm Joseph Schelling als ausgemachter Protagonist einer ›Begründung des Seins auf dem Nichts und dem Bösen‹

›Begreifen‹ contra ›Anschauung‹

›Etwas ganz und gar Grund-Reales‹

EXKURS: Zu Grundtvigs Modell eines ›Grund-Realen‹ versuchsweise der Ansatz des amerikanischen Pragmatikers Charles Sanders Peirce (1839-1914) gestellt

Das »WOULD BE« bei Peirce im seinem Verhältnis zu Grundtvigs Geschichtsdialektik

Die aus einem ›Grund-Realen‹ abgeleiteten Maximen

Schlusskapitel:

 Das »WOULD BE« bei Peirce im seinem Verhältnis zu Grundtvigs Geschichtsdialektik 

Das Peirce’sche mit einem spezifischen Zeichensystem operierende Verfahren sei nun einer Geschichtsdialektik gegenübergestellt, auf die sich Grundtvig dergestalt beruft, dass er das von ihm vornehmlich in den Jahren um 1815 unter den Begriff ›historisch‹ (historisk) Eingeordnete insbesondere in seiner oben bereits mehrfach zitierten ›Weltchronik von 1817‹ (Udsigt over Verdens-Krøniken 1817) direkt auf ein ›wahres Wissen‹ (sand Vidskab) innerhalb eines Systems bezieht, auch wenn er zur gleichen Zeit expressis verbis ›jedes philosophische System als ganzes als eine große Lüge‹ (siehe im folgenden) abtut. Grundtvig wollte zu einem ›wahren Begriff vom Menschen und vom menschlichen Wissen‹ kommen, wofür in seiner programmatischen Schrift Danne-Virke 1 (1816) eigens eine Terminologie entwickelt ist:

»Holde vi nu fast ved den klare Sandhed [meine Hervorhebung, H. N.] at det er det timelige Menneske vor Fornunft kan og skal begribe [meine Hervorhebung, H. N.], da indsee vi let at al sand Vidskab [meine Hervorhebung, H. N.] maae i alle Maader være historisk; historisk fordi Fornuften finder intet i sig selv uden Maalestokken for timelig Sandhed [meine Hervorhebung, H. N.], og maae udenfor sig søge Vidskabens Indhold [meine Hervorhebung, H. N.], historisk, fordi Mennesket udvikler sig i Tiden og kan kun begribes [meine Hervorhebung, H. N.] i den, historisk, fordi den maae være stykkevis og kan kun sluttes med Tiden. Heraf følger først at enhver Vidskabs-Lære [meine Hervorhebung, H. N.] som ei forklarer Krøniken er falsk, og dernæst at enhver saadan der udgiver sig for at være færdig, ethvert philosophisk System er som Heelt en stor Løgn, hvormegen Sandhed [meine Hervorhebung, H. N.] det end i det Enkelte kan have, thi er det Mennesket som skal begribes [meine Hervorhebung, H. N.], udvikler Mennesket sig i Tiden, og er Fornuften Udtrykket for det sig giennem Tiden udviklende menneskelige Begreb [meine Hervorhebung, H. N.], da kan vi jo under Tidens Løb ei have noget sandt Begreb [meine Hervorhebung, H. N.] om Menneske eller menneskelig Vidskab [meine Hervorhebung, H. N.] uden som om noget der er i Begreb [meine Hervorhebung, H. N.] med at udvikle sig, og ei i Sandhed begribe [meine Hervorhebung, H. N.] mere end hvad der alt er udviklet, eftersom Begrebet [meine Hervorhebung, H. N.] er just det eneste som udvikler sig. Heraf følger endelig, at dersom det ogsaa var muligt at Fornuften kunde udvikle sig i Sandhed [meine Hervorhebung, H. N.] uden foreløbig Sandheds-Kundskab [meine Hervorhebung, H. N.], saa var den dog ikke nogensinde under Tidens Løb istand til at fyldestgiøre Mennesket, give ham et fuldstændigt og klart Begreb [meine Hervorhebung, H. N.] om Mennesket i sin hele Fylde. (Danne-Virke, 1 (1816):120 f.)«

(Meine Übersetzung: ›Halten wir an der klaren Wahrheit fest, dass es der in der Zeit lebende Mensch ist, den unsere Vernunft begreifen kann und muss, dann sehen wir leicht ein, dass alles wahre Wissen in jeder Weise historisch sein muss; historisch, weil die Vernunft ohne den Maßstab für die Wahrheit in der Zeit nichts in sich selber findet und somit außerhalb ihrer selbst den Inhalt des Wissens suchen muss; historisch, weil der Mensch sich in der Zeit entwickelt und nur in ihr begriffen werden kann; historisch, weil alles wahre Wissen stückweise sein muss und nur mit der Zeit abgeschlossen werden kann. Hieraus folgt, dass erstens jede Wissens-Lehre [sic!], die nicht die Chronik erklärt, falsch ist, und dass zweitens alles, was den Anspruch erhebt, etwas Fertiges zu sein, ein jedes philosophische System als ganzes eine große Lüge ist, wie viel Wahrheit auch im einzelnen enthalten sein mag. Denn begriffen werden muss der Mensch, und da sich der Mensch in der Zeit entwickelt und die Vernunft der Ausdruck ist für den sich durch die Zeit entwickelnden auf den Menschen bezogenen Begriff, können wir während des Zeit[ab]laufs nicht einen wahren Begriff vom Menschen oder vom menschlichen Wissen haben, sondern einzig und allein von etwas, das im Begriffe ist, sich zu entwickeln, und [können wir] in Wahrheit nicht mehr begreifen als was schon entwickelt ist, zumal das einzige, das sich entwickelt eben der auf den Menschen bezogene Begriff ist. Hieraus folgt schließlich, dass, wenn es auch möglich wäre, dass sich die Vernunft in Wahrheit ohne vorherige Wahrheits-Kenntnis [sic!] entwickeln könnte [sic!], diese Vernunft doch niemals während des Zeit[ab]laufs im Stande wäre, dem Menschen zu genügen, einen vollständigen und klaren Begriff vom Menschen in seiner ganzen Fülle (in allem, was er ist) zu geben.‹)

Die Schlüsselwörter in diesem Zitat sind Sandhed (›Wahrheit‹), sand (›wahr‹), den klare Sandhed (›die klare Wahrheit‹), Vidskab (›Wissen‹), sand Vidskab (›wahres Wissen‹) historisk (›historisch‹), Tiden (›die Zeit‹), timelig (›zeitlich‹, ›in der Zeit‹, ›in der Zeit lebend‹), begribe (›begreifen‹), Begreb (›Begriff‹), Fornuft (›Vernunft‹), Menneske (›Mensch‹), menneskelig (›menschlich‹), Fylde (›Fülle‹) – siehe hierzu auch Jonas:245 ff.

In auffallender Übereinstimmung mit dem soeben umrissenen Grundtvig’schen Begriff von Geschichte als in einem weiten Sinne Heilsgeschichte resultiert bei Peirce Erkenntnis aus einem would be, bezogen auf die legitimen, das heißt mit gutem Grund bestehenden Erwartungen von Einsichten nach ›zureichender kognitiver Entwicklung‹ (after sufficient development of thought):

»[…] effect that would be produced on the mind by the Sign after sufficient development of thought [meine Hervorhebung, H. N.], […] because it is that which would finally be decided to be the true interpretation if consideration of the matter were carried so far that an ultimate opinion [meine Hervorhebung, H. N.] were reached.«(CP 8.184, 8.343)

Da bleibt im Sinne Grundtvigs noch die Frage, ob und wieweit unsere Erkenntnisfähigkeit uneingeschränkt sein kann, oder ob katexochen wir nur das zu erkennen fähig sind, was wir auch selber zu tun und zu machen in der Lage sind, wie das anschaulich aus Bertrand Russells Beschreibung der Überlegungen des italienischen Philosophen Giambattista Vico (1668 – 1744) erhellt:

»Die leibnizsche Konzeption [von einer Allmacht Gottes], die jeder gottesfürchtige Christ, Vico inbegriffen, annähme, führt den Italiener [also Vico] zu einer neuen Begründung der Erkenntnistheorie. Danach hat Gott vollkommene Erkenntnis der Welt, weil sie von ihm erschaffen ist. Der Mensch aber, da selbst erschaffen, kennt die Welt nur unvollkommen. Für Vico ist die Bedingung der Erkenntnis einer Sache die Erschaffung dieser Sache. Die Grundformel lautet, dass wir nur das zu kennen fähig sind, was wir tun oder machen können. (Wahrheit ist ›Tat-Sache‹). […]«(Russell)

Entsprechendes ergibt sich mutatis mutandis auch aus den Überlegungen von Peirce, wo die erkenntnistheoretische Fragestellung Kants, auf die Peirce immer wieder zurückgegreift, zu einer ›sinneskritischen‹ wird und wo das Existieren von ›Wirklichkeit‹ (reality) im Wahrnehmungs- und Erfahrungsurteil (perceptual judgment) aufgehoben ist. Im Peirce’ System einer Zeichenverweisung (»we think only in signs« – CP 2.302)¹, seiner ›Semiotik‹ (Nägele 1966) gelangt man in der Begegnung mit dem ›anderen‹, der »otherness« (CP 2.296) zu dem, wie Peirce voraussetzt, in einer Kommunikationsgesellschaft schon immer vermittelten ultimate interpretant, von ihm seit 1906 behaviouristisch als final habit, als normatives habit definiert, welches als das normal interpretant gilt und für eine ultimate reality steht (CP 8.314, 8.343). In der semiotischen Terminologie heißt das:

»It is likewise requisite to distinguish the Immediate Interpretant, the Interpretant represented or signified in the Sign, from the Dynamic Interpretant, or effect actually produced on the mind by the Sign; and both of these from the Normal Interpretant, or effect that would be [meine Hervorhebung, H. N.] produced on the mind by the Sign after sufficient development of thought [meine Hervorhebung, H. N.].«(CP 8.343)

Die aus einem ›Grund-Realen‹ abgeleiteten Maximen 

Die soeben gegebene Gegenüberstellung müsste gezeigt haben, dass die Peirce’sche ultimate reality in Verbindung mit einem ultimate interpretant als normatives final habit weitgehend zu Grundtvigs Modell von einem ›Grund-Realen‹ mit den daraus abzuleitenden Maximen passt. Die pragmatischen Schlüsse der beiden lassen sich ebenso vergleichen wie auch schon der jeweils dialektische Verlauf hin zu einem gültigen Begriff einer verpflichtenden Realität. Hinzu kommt, dass ähnlich wie Peirce auch Grundtvig durch Klärung der Begriffe nicht fremdbestimmte Bildung zu ermöglichen sucht. Das Anliegen Grundtvigs, Humanität zu entwickeln und zu einer demokratisch überschaubaren, menschenwürdigen Weltordnung zu gelangen (Nägele 1971c; 1992; 1995; 2007), ist auch das Ziel von Peirce. Für beide gilt, dass in einer zivilisierten Welt jedermann ein Recht darauf habe, seine Fähigkeiten voll und ganz zur Geltung zu bringen. Jeder Standpunkt verdiene es, vorgetragen, seriös erörtert und nach Kräften gegebenenfalls umgesetzt zu werden. Daher müsse ein jeder und eine jede die Möglichkeit haben, sich klar und deutlich zu artikulieren, um für eine als richtig erkannte Sache mit den eigenen Worten einzustehen.

Zu denken wäre an ein Gemeinwesen, das von Individuen getragen ist, die wissen, was ihnen guttut und was nicht, und die darin gefestigt sind, kompetent sich in der Sache auseinanderzusetzen, um zu Übereinkünften zu gelangen, die den Gegebenheiten gerecht werden. Dass ein jeder und eine jede das seine zu sagen hat lässt wenig Raum für Tabuisierungen, die herhalten müssen, wo mangels eigener Kompetenz einer ›political correctness‹ aufgeholfen werden soll. In der offenen Gesellschaft kommt es auf die Auseinandersetzung in der Sache an, wobei wie gesagt die Gültigkeit eines jeden Standpunkts in seinem eigenen Recht garantiert sein muss, auch und gerade da, wo es sich um die wundesten Stellen handelt, und erst recht wenn etwas ansteht, das mit einer Überschreitung verbunden sein könnte. Was im konkreten Falle zu tun ist, darüber hat das Gemeinwesen, will sagen eine von allen getragene Gemeinschaft zu befinden, in der jeder und jede befähigt ist, die erforderlichen Initiativen zu ergreifen, in Gestalt von Hilfeleistungen auf Gegenseitigkeit oder mit stützenden Bildungsangeboten.

In der dänischen Sprache von heute heißt eine solche Ausrichtung Nærdemokrati (’Nahdemokratie’). Gemeint ist eine Demokratie, die selbstredend nicht zu vermengen ist mit den üblichen quasi-parlamentarischen Mal-So-Und-Mal-So-Mehrheitsbeschlüssen, die Grundtvig rundheraus verworfen hat. Wie die Benennung Nærdemokrati es sagt, geht es darum, was in einem Miteinander auf Gegenseitigkeit das Naheliegende ist und was durch jeden und jeder von uns mitgestaltet werden kann.

Zu diesem Grundgedanken bedarf es in der dänischen Gesellschaft keiner Erörterung. Ganz anders und offensichtlich weitgehend so gewünscht, dazu sehr oft im Unterschied zu einem gewissen europäischen Standard spielt es sich noch immer im Bereich des Deutschen ab, wovon auch das eingangs gegebene Zitat aus einem offiziellen ›EU-Bildungsprogramm für lebenslanges Lernen in Deutschland‹ zeugt.

(ISBN 978-3-938531-20-4)

Flut der Erinnerung

Dezember 28, 2009

 

Offen und schöpferisch

Horst W. Nägele

Schwimmzüge‹

(Verlag Turnshare, 2009)


Besprechung von Susan Müller in
LIBRITHEK, Nov. 2009:

Ein schmales Buch, das mit Wucht von unfasslicher existenzieller Not erzählt: In verzweifelten Schwimmzügen erlebt die Hauptfigur Frieder die Gewalt des Atlantiks, wenn die Ebbe einsetzt. Doch die Flut kommt, sie kehrt zurück, weil sie immer zurückgelehrt ist, und das ist der erste Hoffnungsschimmer, ein berechtigter. Der Protagonist findet sich auf dem warmen Sandstrand wieder, ja, es ist gut geworden. Doch das Erlebte wirft ihn in die Vergangenheit zurück. Was er verloren im Meer erlebt hat, steht symbolisch für das, was ihm in dieser Welt widerfahren ist. Es durchzucken ihn nochmal all die Urängste, die er mit sich trägt seit der Kriegszeit, die er als Kind erleben musste. Er ist wieder der zehnjährige Junge in einer Bombennacht 1944. Es brummt von Fliegern, es schlagen Bomben ein.

Der Autor, Horst W. Nägele, ist Jahrgang 1934. Er gehört damit der Generation an, die als Kinder Nazideutschland erleben mussten, von fanatisierten Erwachsenen um ihre Kindheit gebracht worden sind und dann in eine Nachkriegszeit gerieten, in der materiell alles gut, aber von ihren Traumatisierungen keiner etwas hören wollte. Erinnerung – nein. Aber für die einzelnen Menschen blieb sie doch. „Schwimmzüge“ ist ein Buch, das beweist, dass eine Vergangenheit, auch wenn sie nicht erwünscht ist, sich ihren Platz greift. An lebensbedrohlichen Situationen wird ein Leben lang gelitten. Sie verlassen einen nie.

Nägele hat für dieses Prosabändchen eine sehr lyrisch anmutende Form gewählt. Darin spiegelt sich auch seine Vielseitigkeit wider: Nägele verfasst sowohl Lyrik als auch Romane (zuletzt „Lebenslanges Suchen“ über das Leben einer Frau zwischen Europa und Afrika zur Kolonialzeit) sowie Sachbücher zu Meditation und ist – das erklärt das wohltuende strukturierende Moment in „Schwimmzüge“- Wissenschaftler. Er lebt seit Jahrzehnten in Dänemark und ist dort als Skandinavist tätig. Diese Distanz zu Deutschland ist es wohl, die einen kritischeren Blick erlaubt, als seine Generation ihn sich sonst zutraut. Nägeles Sprache ist offen und schöpferisch, was auch daran liegen mag, dass er sich perfekt in zwei Literaturen bewegt; er schreibt auch auf dänisch und hat seinen Platz in der Literaturlandschaft Dänemarks. Ohne das Engagement des Autors zu kennen, ohne zu wissen, dass er sich auch als Essayist sachlich, aber mit Verve für seine Themen in die Bresche wirft, erschließt sich die Hintergründigkeit von „Schwimmzüge“ nicht.

Ein erläuterndes Nachwort hätte man dem Buch gewünscht. Doch dessen Fehlen hat den Vorteil, dass jeder Leser aufmerksam mitdenken muss. Allein die Zeitdarstellung, auf die Nägele viel Wert legt und die anfangs gewöhnungsbedürftig scheint. Einmal, zweimal, dreimal, viermal schlägt es, und auf der anderen Seite zehnmal. Ich neige dazu, dies als die Uhrzeit um 10 anzusehen. Die Deutung bleibt dem einzelnen Leser überlassen. „Schwimmzüge“ ist ein gutes Buch, das man nicht in Häppchen erlesen kann. Es muss als Ganzes aufgenommen werden und eignet sich wirklich nicht als Entspannungslektüre.

„Schwimmzüge“

Roman

Turnshare 2009

ISBN 978-1847900180

Schwimmzüge
Schwimmzüge

Der Protagonist ist in den Ebbsog an derAtlantikküste geraten. Mit demTod ringend findet er sich plötzlich in einer beseelten fernen Zivilisation. Die endlich einsetzende Flut spült ihn ans Ufer zurück. Auf dem durchwärmten Sand durchlebt er noch einmal das Kriegsjahr 1944 und die Zeit darnach.
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Rezension in LIBRITHEK/alte meister

LINK ZUM VERLAG:   Schwimmzüge

(Eingestellt in  LYRIKWELT/Nägele)

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STUTTGARTER WOCHENBLATT 14. 01. 2010

(Stadtteil NECKARHAFEN)

Kindheitserinnerungen eines Untertürkheimers

Horst W. Nägele schreibt über die Nachkriegszeit in den Neckarvororten

UNTERTÜRKHEIM/FÜNEN

„Schwimmzüge“ heißt das Buch des Autors Horst W. Nägele, der auf der dänischen Insel Fünen lebt, aber in Untertürkheim aufgewachsen ist. 1934 geboren, beschreibt Nägele in seinem beinahe lyrisch anmutenden Prosaband Geschichtliches aus Untertürkheim, Bad Cannstatt und der Umgebung aus den Jahren 1944 und danach.

Horst W. Nägele gehört der Generation an, die als Kinder Nazideutschland erleben mussten, um ihre Kindheit gebracht worden sind und dann in eine Nachkriegszeit gerieten, in der materiell alles gut war, aber von ihren Traumatisierungen keiner etwas hören wollte. Schwimmzüge“ ist ein Buch, das beweist, dass eine Vergangenheit, auch wenn sie nicht erwünscht ist, sich ihren Platz greift: An lebensbedrohlichen Situationen wird ein Leben lang gelitten. Sie verlassen einen nie.

Frieder, der Protagonist des Buches, ist in den Ebbsog an der Atlantikküste geraten und ringt verzweifelt mit dem Tod. Dann setzt endlich die Flut ein und spült ihn ans Ufer zurück.

Auf dem durchwärmten Sand durchlebt er noch einmal das Kriegsjahr 1944 und die Zeit danach.

Es durchzucken ihn all die Urängste, die er mit sich trägt seit der Kriegszeit. Er ist wieder der zehnjährige Junge in einer Bombennacht 1944. Es brummt von Fliegern, es schlagen Bomben ein. „Ein schmales Buch, das mit Wucht von unfasslicher existenzieller Not erzählt“, urteilt ein Rezensent.

Nägele hat in Untertürkheim das Abitur gemacht und war leitend auf Postämtern in Esslingen, Stuttgart und Sindelfingen tätig. Er lebt seit Jahrzehnten in Dänemark und ist dort als Skandinavist tätig. Diese Distanz zu Deutschland erlaube ihm einen kritischeren Blick als seine Generation ihn sich sonst zutraut, heißt es in einer Rezension der „Schwimmzüge“. Nägele hat schon mehrere Bücher veröffentlicht. Er schreibt auch auf Dänisch und hat seinen Platz in der Literaturlandschaft Dänemarks.

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Geschichten aus der Vergangenheit

Besprechung in der CANNSTATTER/UNTERTÜRKHEIMER ZEITUNG vom 2. Februar 2010

UNTERTüRKHEIM: Horst W. Nägele verarbeitet im Buch „Schwimmzüge“ seine Kindheitserinnerungen

(jps) – In seinem Buch „Schwimmzüge“ verarbeitet der in Luginsland aufgewachsene Horst W. Nägele seine Kindheitserinnerungen aus der Zeit der Endphase des Zweiten Weltkriegs. Der seit Jahrzehnten auf der dänischen Insel Fünen lebende Autor fühlt sich seiner schwäbischen Heimat bis heute sehr verbunden.

Frieder, ein Rucksackreisender Anfang dreißig, ringt vor der Atlantikküste mit dem gewaltigen Sog des Ebbstroms. Zurück an den Strand gespült, hört er die volle Stunde schlagen und nach dem Sog des Wassers zerrt nun ein Sog der Erinnerungen an ihm. Unvermittelt sieht er sich zurückversetzt in das Jahr 1944, als zehnjähriger Junge flüchtend vor den Angriffen der alliierten Bomber über Stuttgart.

„Schwimmzüge“ heißt das Buch von Horst W. Nägele, der mit der Geschichte Frieders auch die eigene Vergangenheit aufarbeitet. Seine Kindheit, die geprägt ist von den wiederkehrenden Fliegerangriffen, den Bomben auf das Daimler-Werk, der Angst und der Ohnmacht angesichts der lebensbedrohlichen Situation. Was für beide bleibt, ist die Flucht aus Luginsland, Anfang März, nur zwei Tage nach einem verheerenden Angriff der Alliierten mit über 500 Bombern : „Nur weg von hier – weit weg! Zu Fuß mit den anderen zusammen die acht Kilometer bis nach Obertürkheim, von wo noch ein Vorortszug nach Esslingen ging – und dort gleich in einen Zug Richtung Tübingen!“ Doch er kehrt zurück, nach Hause zur Mutter, die zu ihm sagt: „Wenn wir schon sterben, dann wenigstens zusammen.“ Nägele erzählt von den Plünderungen, den Entbehrungen der Nachkriegszeit, von der langsamen Rückkehr in die vermeintliche Normalität und davon, dass einen das Erlebte nie ganz loslässt. Es sind Eindrücke, die bis heute haften geblieben sind.

Geboren 1934 studiert Nägele, der in Untertürkheim sein Abitur gemacht hat, Anfang der 60er-Jahre Germanistik, Skandinavistik, Anglistik und Philosophie an den Universitäten in Kiel und Newcastle upon Tyne. Es folgt ein Auslandssemester im dänischen Aarhus, wo er sich intensiver mit der dänischen Literatur beschäftigt, besonders der Schriftsteller Jens Baggesen hat es ihm angetan. Und das Land selbst. Der Schwabe bleibt, wird sesshaft auf der Insel Fünen, unterrichtet an der Hochschule Sprachen, widmet sich seinen literarischen Forschungen. In den 80ern dann beginnt er selbst ein Buch zu schreiben, auf Dänisch. „Mehr aus Jux“, wie er sagt, doch ein Verlag veröffentlicht das Erstlingswerk. Aus der Erkenntnis, dass sein Schreiben im Dänischen zu limitiert ist, folgt 1990 mit „Anflüge“ der erste deutschsprachige Roman. „Wenn ich schon schreibe, dann will ich es ganz genau machen.“

Die Heimat seiner Erinnerungen hat er immer wieder besucht, letztes Jahr erst mit seiner Frau. Er staunt jedes Mal, was sich alles verändert hat im Laufe der Jahrzehnte. Ob es weitergeht mit der „fortlaufenden Geschichte“, weiß Nägele nicht. Der kommerzielle Erfolg ist seine Sache nicht: „Ich habe es geschrieben, weil ich es schreiben wollte.“

„Schwimmzüge“, Prosa von Horst W. Nägele (2009, Verlag Turnshare). 13 Euro, ISBN 978-1847900180.

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HORST NÄGELE
Anflüge
MIND GAMES deutsch

(Verlag DIE BLAUE EULE, Essen 1990)  ISBN 3-89206-362-1

Historische Reminiszenzen, vom deutschen Einmarsch in Polen 1939 bis heute, die bei einer therapeutischen Traumarbeit auftauchen.

Kriegsjubel – das Trauma der Bombennächte von 1944 und 45 – Wendehälse von 1945 – die Hungerjahre der Nachkriegszeit – die widerspruchsvolle Nachkriegsdiskussion über eine deutsche Kollektivschuld – Renazifizierungseffekte – verkarstete Amtsroutinen – imperiale Konstanten und Variablen – regressive Reflexe – fremde Sitten und Gebräuche – das von einer Vertreterin eines Nachbarlandes gesehene „typisch Deutsche“.

LINK ZUM VERLAG: Anflüge – MIND GAMES deutsch

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14.01.2010 – aktualisiert: 14.01.2010 07:03 Uhr

 

Zeitlos

Oktober 28, 2009

paradiesgarten

(ein HAIKU)

warm in der rundung

leises sprießen verzaubert

im zarten vergehn

In: Horst Nägele, zeitlos zeit. UNPOLITISCHE UND POLITISCHE GEDICHTE, London: Turnshare Ltd./edition lyrik, 2008, S. 62

zeitlos zeit
ISBN: 978-1-84790-010-4

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Finanzielle Weltgeschichte

September 29, 2009

weiter immer wieder weiter

de geldbronnen

van het nationaal-socialisme

drie gesprekken met hitler

mit ihm allein

unter demokraten

was wär’ aus uns geworden

ohne spritzen ohne qualen

nein nein vergessen’s nie

undankbar schon gar nicht

vergessen wir’s

sind längst wieder mit

immer dankbar

immer wieder

weiter immer wieder weiter

Dieses Gedicht »weiter immer wieder weiter« wurde durch eine Publikation ›Finanzielle Weltgeschichte. Das III. Reich im Dienste der internationalen Hochfinanz. Gemeinnutz vor Eigennutz‹ von RENÉ SONDEREGGER (Zürich: Resoverlag, 1936 – KULTURPOLITISCHE SCHRIFTEN, Heft 8) veranlasst, die sich beruft auf ein 99 Seiten starkes auf holländisch geschriebenes und bei Erscheinen »völlig im Dunkeln« verschwundenes bekennerisches Büchlein ›De Geldbronnen van het Nationaal-Socialisme. Drie Gesprekken met Hitler door SIDNEY WARBURG‹, vertaald door J. G. SCHOUP (Amsterdam: van Holkema & Warendorf’s Uitg.Mij. N.V., 1933), bestehend aus drei Kapiteln, die mit den Jahreszahlen 1929, 1931 und 1933 überschrieben sind, und einem Vorwort, dessen Überschrift mit »Wie es kam« übersetzt werden kann (siehe SONDEREGGER, S. 16 ff.). Unter anderem wird mitgeteilt, dass an die 200 Millionen Reichsmark über genau benannte Bankhäuser an Adolf Hitler als sozusagen den Garant eines geordneten Staatsbudgets geflossen seien. Besagte »Summe«, so Sonderegger, »entspricht dem Preise, den Hitler für den Umsturz und die legale Machtübernahme in Deutschland gefordert hatte. Der Nutzen dieser Machtübernahme für das amerikanische Kapital war die Sicherstellung der amerikanischen Anlagen, die Erhaltung der deutschen Währung und die Sicherheit für die ordentliche Abwicklung der weiteren amerikanischen Geschäfte« (SONDEREGGER, S. 17).

(In: Horst Nägele, SCHMIEGENDE BRECHER. Unbescholtene Gedichte aus weiten Gärten, 2004, amicus-verlag/Reihe LYRIK)

ISBN 3-935660-54-5        Schmiegende Brecher

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Prominenz

September 28, 2009

zu gast bei anna veronika

 (In: Horst Nägele, ZEITLOS ZEIT, Verlag Turnshare, London, 2008)

ach ja
auch wenn man
gut drauf
ganz oben auf der karriereleiter
entdeckt man
natürlich
dass man
zieh ich mir ein teeshirt an
seh mir einen schönen film an
karriere feiern
sektglas anstoßen
korkenknall
schön geknallt
in schubsigen schüben
im wasserbett
zum üben
beschnuppern
endlich mal
so was wie sex
einige gedanken
ans denken verwendet
an die ganz neuen
gästinnen und gäste
unseres kulturellen lebens
in der modernsten moderne
auf hohem hochniveau
richtig gut gegessen
ordentlich mal ex

zeitlos zeit
zeitlos zeit

 

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Das Modernste

September 28, 2009

popo der welt
(In: Horst Nägele, ZEITLOS ZEIT, Verlag Turnshare, London, 2008)

das modernste der moderne
in der po po postmoderne
des modernen menschen
der po po postmodernen moderne

zeitlos zeit
zeitlos zeit

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Kriegskinder und Nachkriegskinder

August 28, 2009

Das Buch SCHWIMMZÜGE von Horst Nägele (Verlag Turnshare, London, 2009) erzählt vom
Überleben•••••
 überleben in der Gewalt eines Ebbstroms im Atlantik,
 als Zehnjähriger in den Bombennächten von 1944 überleben,
 überleben in einer in sich widersprüchlichen Nachkriegszeit,
 ins Leben überleben.

Der Protagonist ist in den Ebbsog an der Atlantikküste geraten. Mit dem Tod ringend findet er sich plötzlich in einer beseelten fernen Zivilisation. Die endlich einsetzende Flut spült ihn ans Ufer zurück. Auf dem durchwärmten Sand durchlebt er noch einmal das Kriegsjahr 1944 und die Zeit darnach. Wieder brummt es von Bombenfliegern, an einem Tag vor Himmelfahrt bewegen sich die Pünktchen über den Himmel und verfließen. Auf der Erde das Leben an der Brust einer Mutter.

Schwimmzüge
Schwimmzüge

Der Protagonist ist in den Ebbsog an derAtlantikküste geraten. Mit demTod ringend findet er sich plötzlich in einer beseelten fernen Zivilisation. Die endlich einsetzende Flut spült ihn ans Ufer zurück. Auf dem durchwärmten Sand durchlebt er noch einmal das Kriegsjahr 1944 und die Zeit darnach.
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Zum 1. September 1939 und Polen

August 28, 2009

fänger im weizen
(In: Horst Nägele, ZEITLOS ZEIT, Verlag Turnshare, London, 2008)

krieg verloren
sag befreit worden
zwölf jahre lang
suchte der vater
in den widerstand
und das arme kind
marschierte ins polenland
überlebt zur großen
rede im höchsten amt
für die nachhit leut
das ungenannte umbenannt
www.befreiung.de/verloren/polen

zeitlos zeit
zeitlos zeit

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