Website von Horst W. Nägele
Semiotik, Sprachkritik, Lyrik, Meditation
Jens Baggesen, N. F. S. Grundtvig, J. P. Jacobsen
Konfliktforschung
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Grüße von Horst Nägele, Dr. phil.
Email: horst.naegele (a) gmail.com
Foto: www.lyrikwelt.de
Auszeichnungen/Ehrungen/Preise (Auswahl): Jens Baggesen-Preis der Stadt Korsør/Dänemark (2006). Alfred-Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur, Hagen (2010).
Mitglied in der J. P. Jacobsen Selskabet, Thisted, und in der Internationalen Schelling-Gesellschaft e. V., Leonberg.
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Für eine aktive Bürgergesellschaft
Von Horst Nägele
Immer mehr hört man in diesen Tagen von Bürgerinnen und Bürgern, die wissen, was ihnen guttut und was nicht, und die entschlossen sind, sich in einer Sache auseinanderzusetzen, um zu angemessenen Resultaten zu gelangen, die ihren Bedürfnissen gerecht werden. Eine Welt tut sich da auf, in der jedermann das seine und das ihre zu sagen hat und dann auch dafür eintritt.
Gefragt ist die sachliche Auseinandersetzung in erster Linie in einer offenen Gesellschaft, in der jeder Standpunkt in seinem eigenen Recht Gültigkeit hat. In einem von allen getragenen Gemeinwesen ist soviel wie jeder und jede von uns befähigt, zu verwirklichen was erforderlich ist und gegebenenfalls Initiativen zu ergreifen, zunächst einmal indem man gegenseitig hilft, Wissen vermittelt, Erfahrungen weitergibt.
Eine solche Ausrichtung heißt, um ein Beispiel zu nennen, in Dänemark ›Demokratie der Nähe‹ (Nærdemokrati). Es ist da die Rede von Selbstbestimmung der Individuen, die sich nicht mit parlamentarisch zu verantwortenden Mal-So-Und-Mal-So-Mehrheitsbeschlüssen zufrieden geben möchten und sich berufen auf den Initiator der Heimvolkshochschulen, den dänischen Theologen und Pädagogen Nikolaj Frederik Severin Grundtvig (1783 – 1872), der für (quasi-)parlamentarische Mehrheitsbeschlüsse nicht viel übrig hatte. Ausgangspunkt habe zu sein was in einem Miteinander durch jeden und jeder von uns verstanden und mitgestaltet werden kann.
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Horst Nägele über Jens P. Jacobsen
Aus FyensStifstidende, 7.4.2011:

Leseprobe I Buchbestellung 0511 LYRIKwelt © Horst W. Nägele
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klassische klasse
(aus: z e i t l o s z e i t – UNPOLITISCHE UND POLITISCHE GEDICHTE, 2008, Verlag Turnshare)
krieg nicht verloren
wo’s doch mit befreiung geht
niemals besiegt
im zuge der befreiung befreit
zwölf jahre lang
suchte der vater
in den widerstand
das arme kind
marschierte ins polenland
überlebt zur großen
rede im höchsten amt
für den signiertisch
immer frisch
das ungenannte umbenannt
im weizenland
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Aus dem Vorwort zu › z e i t l o s z e i t – UNPOLITISCHE UND POLITISCHE GEDICHTE‹, 2008, Verlag Turnshare):
Wir sprechen, sprechen zu anderen, und wir sprechen zu uns selber, wir sprechen in der Weise zu uns selber wie man zu anderen spricht. Wir drücken uns so aus, wie wir meinen, dass etwas gesagt werden muss, um verstanden zu werden.
Wir möchten verstanden werden. Und nicht immer fühlen wir uns verstanden. Um sicher zu gehen meinen wir einiges auch noch durch Fußnoten erläutern zu müssen. Sind wir auch damit noch nicht zufrieden, stellen wir die Sätze um, vertauschen wir die Wörter, erfinden neue Ausdrücke, um möglichst präzise zu formulieren. Denn das, was wir zum Beispiel in der Natur oder in den menschlichen Beziehungen beobachten, soll ja genauestens weitervermittelt werden.
Dann möchten wir uns manchmal auch Luft machen über das, was uns so alles zugemutet wird von Politikern und durch Journalisten. Da gilt es näher hinzuhören, die verwendete Sprache mitzuvollziehen, sie gegebenenfalls zu korrigieren.
Hinhören auf das, was andere und auch was wir selber sagen, entwickelt ein Gespür dafür, was unsere Sprache so alles vermag. Und in der Folge werden wir uns auch nicht mehr so leicht ein x für ein u vormachen lassen.
einladung
komm mit
lade dich ein
wo du die lust hast
zum blättern
gedichte werden
meine geschichte
von geschichten
entschichtet
(
| zeitlos zeit | |
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der kalte markt
(ein zweistrophiges HAIKU, aus: schmiegende brecher, unbescholtene gedichte aus weiten gärten, 2004, Mitteldeutscher Literaturverlag AMICUS)
träumen von all dem
das nicht da das für sie ist
auf dem kalten markt
greifen’s feste an
möchten das leben leben
weitererzählen
(Eingestellt in LYRIKWELT/Nägele, Link: LYRIKWELT/Nägele )
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einer im andern
(ein zweistrophiges HAIKU, aus: s c h m i e g e n d e b r e c h e r - UNBESCHOLTENE GEDICHTE AUS WEITEN GÄRTEN; 2004, Mitteldeutscher Literaturverlag AMICUS)
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im auf und im ab
überschlagen die wogen
schmiegend die brecher
.
halten einander
im ewigen verfließen
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| Schwimmzüge | |
Der Protagonist ist in den Ebbsog an der Atlantikküste geraten. Mit dem Tod ringend findet er sich plötzlich in einer beseelten fernen Zivilisation. Die endlich einsetzende Flut spült ihn ans Ufer zurück. Auf dem durchwärmten Sand durchlebt er noch einmal das Kriegsjahr 1944 und die Zeit darnach.
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STUTTGARTER WOCHENBLATT 14. 01. 2010
(Stadtteil NECKARHAFEN)
Kindheitserinnerungen eines Untertürkheimers
Horst W. Nägele schreibt über die Nachkriegszeit in den Neckarvororten
UNTERTÜRKHEIM/FÜNEN
„Schwimmzüge“ heißt das Buch des Autors Horst W. Nägele, der auf der dänischen Insel Fünen lebt, aber in Untertürkheim aufgewachsen ist. 1934 geboren, beschreibt Nägele in seinem beinahe lyrisch anmutenden Prosaband Geschichtliches aus Untertürkheim, Bad Cannstatt und der Umgebung aus den Jahren 1944 und danach.
Horst W. Nägele gehört der Generation an, die als Kinder Nazideutschland erleben mussten, um ihre Kindheit gebracht worden sind und dann in eine Nachkriegszeit gerieten, in der materiell alles gut war, aber von ihren Traumatisierungen keiner etwas hören wollte. Schwimmzüge“ ist ein Buch, das beweist, dass eine Vergangenheit, auch wenn sie nicht erwünscht ist, sich ihren Platz greift: An lebensbedrohlichen Situationen wird ein Leben lang gelitten. Sie verlassen einen nie.
Frieder, der Protagonist des Buches, ist in den Ebbsog an der Atlantikküste geraten und ringt verzweifelt mit dem Tod. Dann setzt endlich die Flut ein und spült ihn ans Ufer zurück.
Auf dem durchwärmten Sand durchlebt er noch einmal das Kriegsjahr 1944 und die Zeit danach.
Es durchzucken ihn all die Urängste, die er mit sich trägt seit der Kriegszeit. Er ist wieder der zehnjährige Junge in einer Bombennacht 1944. Es brummt von Fliegern, es schlagen Bomben ein. „Ein schmales Buch, das mit Wucht von unfasslicher existenzieller Not erzählt“, urteilt ein Rezensent.
Nägele hat in Untertürkheim das Abitur gemacht und war leitend auf Postämtern in Esslingen, Stuttgart und Sindelfingen tätig. Er lebt seit Jahrzehnten in Dänemark und ist dort als Skandinavist tätig. Diese Distanz zu Deutschland erlaube ihm einen kritischeren Blick als seine Generation ihn sich sonst zutraut, heißt es in einer Rezension der „Schwimmzüge“. Nägele hat schon mehrere Bücher veröffentlicht. Er schreibt auch auf Dänisch und hat seinen Platz in der Literaturlandschaft Dänemarks.
Geschichten aus der Vergangenheit
Besprechung in der CANNSTATTER/UNTERTÜRKHEIMER ZEITUNG vom 2. Februar 2010
UNTERTüRKHEIM: Horst W. Nägele verarbeitet im Buch „Schwimmzüge“ seine Kindheitserinnerungen
Frieder, ein Rucksackreisender Anfang dreißig, ringt vor der Atlantikküste mit dem gewaltigen Sog des Ebbstroms. Zurück an den Strand gespült, hört er die volle Stunde schlagen und nach dem Sog des Wassers zerrt nun ein Sog der Erinnerungen an ihm. Unvermittelt sieht er sich zurückversetzt in das Jahr 1944, als zehnjähriger Junge flüchtend vor den Angriffen der alliierten Bomber über Stuttgart.
„Schwimmzüge“ heißt das Buch von Horst W. Nägele, der mit der Geschichte Frieders auch die eigene Vergangenheit aufarbeitet. Seine Kindheit, die geprägt ist von den wiederkehrenden Fliegerangriffen, den Bomben auf das Daimler-Werk, der Angst und der Ohnmacht angesichts der lebensbedrohlichen Situation. Was für beide bleibt, ist die Flucht aus Luginsland, Anfang März, nur zwei Tage nach einem verheerenden Angriff der Alliierten mit über 500 Bombern : „Nur weg von hier – weit weg! Zu Fuß mit den anderen zusammen die acht Kilometer bis nach Obertürkheim, von wo noch ein Vorortszug nach Esslingen ging – und dort gleich in einen Zug Richtung Tübingen!“ Doch er kehrt zurück, nach Hause zur Mutter, die zu ihm sagt: „Wenn wir schon sterben, dann wenigstens zusammen.“ Nägele erzählt von den Plünderungen, den Entbehrungen der Nachkriegszeit, von der langsamen Rückkehr in die vermeintliche Normalität und davon, dass einen das Erlebte nie ganz loslässt. Es sind Eindrücke, die bis heute haften geblieben sind.
Geboren 1934 studiert Nägele, der in Untertürkheim sein Abitur gemacht hat, Anfang der 60er-Jahre Germanistik, Skandinavistik, Anglistik und Philosophie an den Universitäten in Kiel und Newcastle upon Tyne. Es folgt ein Auslandssemester im dänischen Aarhus, wo er sich intensiver mit der dänischen Literatur beschäftigt, besonders der Schriftsteller Jens Baggesen hat es ihm angetan. Und das Land selbst. Der Schwabe bleibt, wird sesshaft auf der Insel Fünen, unterrichtet an der Hochschule Sprachen, widmet sich seinen literarischen Forschungen. In den 80ern dann beginnt er selbst ein Buch zu schreiben, auf Dänisch. „Mehr aus Jux“, wie er sagt, doch ein Verlag veröffentlicht das Erstlingswerk. Aus der Erkenntnis, dass sein Schreiben im Dänischen zu limitiert ist, folgt 1990 mit „Anflüge“ der erste deutschsprachige Roman. „Wenn ich schon schreibe, dann will ich es ganz genau machen.“
Die Heimat seiner Erinnerungen hat er immer wieder besucht, letztes Jahr erst mit seiner Frau. Er staunt jedes Mal, was sich alles verändert hat im Laufe der Jahrzehnte. Ob es weitergeht mit der „fortlaufenden Geschichte“, weiß Nägele nicht. Der kommerzielle Erfolg ist seine Sache nicht: „Ich habe es geschrieben, weil ich es schreiben wollte.“
„Schwimmzüge“, Prosa von Horst W. Nägele (2009, Verlag Turnshare). 13 Euro, ISBN 978-1847900180.
SCHWIMMZÜGE
(Leseprobe aus: Schwimmzüge, Prosa, 2009, Verlag Turnshare).
In dem morgendlichen Dunst über dem Wasser tauchen zwei grünlich schimmernde Schatten aus einer zittrigen Nussschale. Der links wird kleiner, wird zu einem zarten Rosa, das ins Wasser zischt. Kraul Rücken und mit Schnauben zurück zu dem schaukelnden Nachen, der sich den greifenden Händen entgegenkippt.
Der im Boot Gebliebene hat sich zurückgelehnt, bis der Kletternde ganz aus dem Wasser ist, streift seine grünliche Haut ab, purzelt nach hinten. Der aus dem Wasser Gestiegene richtet sich auf, greift an seine Brüste, ruft etwas und hüpft nach.
Am Ufer ein Radfahrer, der sein Mountainbike an einen Baum lehnt, den roten Helm, seine Schuhe und Kleider dazulegt und sich ins Wasser abstößt. Das Paar im Wasser krault auf ihn zu – ob er Feuer habe, seit langem hätten sie ja so alles entbehren müssen, in ihrem Gummizeug auf dem Wasser.
Nein, da kann er leider nicht dienen, er könne sie aber in die Stadt begleiten.
Wo denke er hin, sie wollen zurück. »Vielen Dank auch noch auf jeden Fall«, rufen sie aus einiger Entfernung.
Und da sind sie auch schon wieder an ihrem Boot. Die Frau stemmt sich aus dem Wasser in das wackelige Schiffchen. Sie ruft dem Mann etwas zu und ergreift eines der beiden Ruder, hält es erhoben und lässt sich ins Wasser fallen. Der Kahn kentert, und nun klettert sie auf die nach oben gekommene Unterseite und legt sich darauf quer zur Längsrichtung, mit ihrem Rücken nach oben. Sie streckt die Arme ins Wasser und versucht, den Mann zu sich hochzuziehen. Der fällt zurück, paddelt ein wenig rückwärts, krault nochmals auf das Umgekippte zu und taucht darunter weg. Taucht auf der anderen Seite des Bootskörpers an den Füßen der Frau wieder auf und zieht sich zwischen die auseinandergestreckten Beine hoch.
Der Radfahrer ist wieder am Ufer, er balanciert über die Steine und stößt sich nochmals ins Wasser, hastig steuert er auf das Paar auf dem gekenterten Boot zu.
»Hallo, how are you«, rufen sie, ob er dieses Mal Feuer habe, seit langem haben sie ja so alles entbehren müssen in ihrem Gummizeug auf dem Wasser!?
Leider leider nicht, er könne sie aber mit seinem Speedboot weiterbringen!?
Wenn das so einfach wär’, sie wollen doch zurück!?
Warum dann nicht einiges einkaufen in der Stadt, meint der Radfahrer.
Das wäre zu verfrüht, sie müssen erst mal sehen. Am besten abwarten, man kann ja nie wissen, wo ja alles so unsicher ist heutzutage und überhaupt!?
Die beiden lassen sich wieder ins Wasser: »Vielen Dank auch noch auf jeden Fall!«
Die Frau hievt sich wieder auf ihr gekipptes Schiffchen und setzt sich darauf, mit auseinandergestreckten Beinen, zwischen die sich der Mann hochzieht.
Der Radfahrer, wieder am Ufer, stößt sich noch einmal ins Wasser und ist dann auch schon wieder bei den beiden. Sie bemerken ihn und rufen: »Das Feuer, das du uns bringen wolltest, wo ist es?«
Der Radfahrer taucht unter den Bootskörper. »Vielen Dank auch noch auf jeden Fall«, kommt es beim Herauftauchen an sein Ohr, »jetzt aber kannst du uns mit deinem Speedboot weiterbringen!?«
Nein nein! – und nun nichts wie zurück an das sichere Ufer, in sein Zeug und auf sein Mountainbike!
Am sicheren Ufer sind das Mountainbike und alle die Sachen verschwunden. Der Radfahrer ist verzweifelt.
Aber hat sich da nicht was bewegt?
Auf einem Fahrrad die Frau vom Schiffchen!? Direkt auf ihn zu. Mit hochgeschlagenen schwarzen Jeans-Shorts!
Ist dies denn nicht sein Mountainbike? – Und auch sein roter Helm? – Auch der braune Ledergürtel!? Und auch die weißen Sportschuhe!? Dann sind das auch seine Jeans-Shorts, sie hat also seine Jeans-Shorts an!?
»Hallo, how are you! Wo ist es denn, dieses Speedboot? Ihr dummes Höschen und das blöde Bike können Sie wieder haben, mir ist gar nicht mehr danach.«
Die hochgekrempelten schwarzen Jeans-Shorts stehen ihr eigentlich ganz gut, die sollte er ihr vielleicht lassen!?
Sie ist abgestiegen und lässt das Fahrrad auf die Erde tanzen, sie schnallt sich den Gürtel auf: »Behalten Sie alles! – Und stell dir vor, heute ginge die Welt unter!? Mir wird kalt, gib mir doch ein Bisschen Wärme, mit der Welt ist es noch lange nicht zu Ende! Hörst du nicht die Vögel, spürst du nicht ihre Stimme?«
Ihre spitzen Nippelchen kommen näher –
»Gut geschlafen?«
Das war eine Männerstimme? Er sieht ein paar müde Wölkchen ziehen, sieht den mächtigen Körper des Schiffchen-Mannes in den Himmel ragen.
Wo aber ist die Frau?
»Wir warten immer noch auf Ihr Speedboot. Es muss uns weiterbringen, es ist keine Zeit mehr zu verlieren. Wollen auch nicht mehr auf den kalten verkehrten Kahn, und so ohne was Rechtes im Bauch. Ihr Speedboot, wo ist es? Geben Sie Ihre Hand, damit ich Sie hochziehe! Kommen Sie ganz an mich heran – ja ja, ich bin kalt. Muss mich im Warmwerden trainieren. – Aber nicht zu nahe bitte!«
Und die Frau?
Und wie lange er da wohl geschlafen hat?
Er fragt nach der Frau.
Sie schlafe, sie wecken, das dürfe man auf keinen Fall.
Nein, er muss sie sehen, augenblicklich muss er sie sehen! Wo ist sie denn? Er sucht auf dem Waldboden seine Jeans-Shorts, den braunen Ledergürtel, den roten Helm zusammen, zieht sich an, nimmt sein Fahrrad und macht sich auf den Weg.
Wohin aber?
Er geht kreuz und quer, bis er sich wieder an der alten Stelle befindet. Von dem Mann vom Boot ist da nun nichts mehr zu sehen?
Er blickt aufs Wasser hinaus und sieht von den letzten Sonnenstrahlen beschienen die beiden nackten Körper auf dem kalten umgekehrten Kahn dicht beieinander liegen.
Ja, diese Frau will er!
Also nochmals hinausschwimmen! Seine Jeans-Shorts behält er an.
Die Sonne versinkt am Horizont, mit einem gelben Feuer, das sich in die Wellen beißt. Ihm ist, als ob die Frau zu ihm herüberschiele.
Der Mann richtet sich auf, zischt ins Wasser und wirft sich auf ihn, verhakt sich mit seinen Fingern in den Gürtel der Jeans-Shorts, kommt wieder los und schnappt mit seinen freigewordenen Händen nach den Fußangeln des abdrehenden Schwimmers.
Dieser steuert auf den in den herumgekippten Bootsleib verkrallten Frauenkörper zu. Der schnell sich abstützt, sich ins Wasser lässt. Die zarten Hände streichen über den schaukelnden Holzbauch, bis er die gewünschte Richtung hat und auf die beiden aneinanderhängenden Männer zugeschossen kommt, denen es vereint gelingt, sich gerade noch vorbeizumanövrieren. Die strampelnde Frau am Heck schubst sich von dort ab und hechtet sich auf den vorderen Kopf dieses in Panik geratenen Männergebildes, beschnuppert Hals und Nacken und greift in dicke Brusthaare und tastet sich die zwei Körperlängen hin zu den Zehen und von da wieder zurück. Aus ihrer Rückenlage nimmt sie mit ihren Füßen den vorderen Kopf in die Zange, um das ganze abzuschleppen.
Sie lässt nochmals los, lässt ihren Körper ein paarmal um sich selber schnalzen, bleibt dann in der Bauchlage und strampelt auf das herannahende Ungetüm zu, das wie erwartet nach ihren Fußangeln greift. Auf diese Weise miteinander verkettet und vorne die steuernde Frau geht es wieder auf den gekippten Bootskörper zu. An diesen hängt sich die Frau hinten an und steuert so mit ihren beiden Männern im Schlepptau zum Ufer hin, bis dann von unten etwas Hartes an ihre Bäuche kommt und das Gespann auseinanderreißt. Es gelingt den dreien, den Kahn in seine richtige Funktion zurückzukippen und ihn aufs Moos zu ziehen.
Wo aber ist denn dieses Speedboot, wo ist das versprochene Speedboot?
Sie legen sich zusammen auf den Waldboden, auf den anlandenden Wellen schaukelt eine schmale Mondsichel.
Ein Motorenrattern ganz in ihrer Nähe scheucht die drei auf, sie erheben sich: wer möchte mit ins Wasser?
Rezension I Buchbestellung I home 0210 LYRIKwelt © H.N.
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Horst Nägele
Lebenslanges Suchen
Zwischen Europa 1912 und immer wieder Afrika
Gabriele Schäfer Verlag, 2007 (ISBN 978-933337-44-3)
Das Buch schildert das ungewöhnliche Leben einer Frau, die stets wusste, was sie wollte, insbesondere in den Jahren des Zweiten Weltkriegs und anschließend. 1892 in Hamburg geboren hatte sie den Ersten Weltkrieg in einer von Deutschlands (damaligen) Kolonien mitbekommen. Den Zweiten Weltkrieg erlebte sie als Refugee, die Hungerjahre und Ungereimtheiten der Nachkriegszeit hat sie hautnah erfahren.
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HORST NÄGELE
Anflüge
MIND GAMES deutsch
(Verlag DIE BLAUE EULE, Essen 1990) ISBN 3-89206-362-1
Historische Reminiszenzen, vom deutschen Einmarsch in Polen 1939 bis heute, die bei einer therapeutischen Traumarbeit auftauchen.
Kriegsjubel – das Trauma der Bombennächte von 1944 und 45 – Wendehälse von 1945 – die Hungerjahre der Nachkriegszeit – die widerspruchsvolle Nachkriegsdiskussion über eine deutsche Kollektivschuld – Renazifizierungseffekte – verkarstete Amtsroutinen – imperiale Konstanten und Variablen – regressive Reflexe – fremde Sitten und Gebräuche – das von einer Vertreterin eines Nachbarlandes gesehene „typisch Deutsche“.
LINK ZUM VERLAG: Anflüge – MIND GAMES deutsch
Schlagwörter:1939, 1944, 1945, Amtsroutinen, Bombennächte, das „typisch Deutsche“, deutsch, deutscher Einmarsch in Polen, DIE BLAUE EULE, femd, Gebräuche, heute, hisorische Reminiszensen, historische Reminiszensen, Hungerjahre, imperial, Kollektivschuld, Konstante, Kriegsjubel, Mind Games, Nachbarland, Nachkriegsdiskussion, Nachkriegszeit, Reflex, regressiv, Renazifizierungseffektge, Sitten, therapeutische Traumarbeit, Trauma, Variable, verkarstet, Wendehälse, widerspruchsvoll
Veröffentlicht in Anti-Roman, Biografie, Dokumentation, Meine Bücher, Politik, Prosa, Roman | Bearbeiten | Kommentar schreiben »
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Wie sich Achtsamkeit entwickeln lässt.
(Verlag Zeitenwende, 2010, ISBN 978-3-934291-57-7)
Aus dem V O R W O R T
»Liebe macht blind« sagt ein altes Sprichwort, die große Liebe kann mit einer großen Enttäuschung enden. Es ist daher für zwei Menschen, die sich näher kommen, angebracht, auf einiges mehr zu achten als sie in ihrem ersten Glücksgefühl wahrnehmen möchten. Setzt eine stabile Beziehung doch voraus, dass beide Seiten mit den jeweils eigenen Voraussetzungen ins Reine gekommen sind.
Wie aber wird der erforderliche Selbstcheck zu bewerkstelligen sein? Man hat auf jeden Fall herauszufinden, was von den angebotenen Möglichkeiten für einen selbst am ehesten infrage kommt. Als hilfreich gilt insbesondere die seit zweieinhalbtausend Jahren bewährte Vipassana-Meditation aus der Schule des Theravada-Buddhismus. Die Vipassana-Meditation hat sich als geeignet erwiesen, nachhaltig Achtsamkeit zu entwickeln. Die einzelnen Schritte dahin sind hier in diesem praktischen Ratgeber ausführlich beschrieben. Wobei daran anschließend mit Blick auf ein umsichtiges Miteinander geeignete Visualisierungen aus der Tradition des tibetischen Buddhismus vorgestellt werden.
Die Umsetzung in die Praxis hat mit der stets aufs Neue hilfreichen Grundübung der einfachen Atembetrachtung zu beginnen. Dazu begibt man sich in eine geeignete Sitzstellung und konzentriert sich auf den jetzt verlaufenden Atemvorgang, wie er in den kontinuierlichen Bewegungen der Bauchdecke sich mitteilt. Wahrgenommen werden kann der Atemvorgang aber auch – was allerdings etwas schwieriger ist – in der Weise, dass man seine Aufmerksamkeit an die Stelle etwas unterhalb der Spitze der Nasenflügel bringt und dort die vom Atemfluss jeweils ausgelösten Reizempfindungen beobachtet. Die während der Sitzungen anfänglich noch störende spontane Gedankentätigkeit wie auch etwaige Empfindungen eines Unbehagens, auch die direkt von Schmerzen herrührenden, sind nach Möglichkeit nicht weiter zu beachten. Dadurch werden sie in das Feld der Betrachtung allmählich einbezogen und sind damit gleichermaßen wie der spontane Atemvorgang Gegenstand einer entspannten Konzentration. Mit der auf diese Weise zu erreichenden anhaltenden Achtsamkeit verlieren unheilsame Abhängigkeiten ihre Macht.
Die im Weiteren dargestellten Visualisierungsverfahren im Sinne des Vajrayana, für das der tibetische Buddhismus steht, sind mit ihrem produktiven Als-Ob in erster Linie einem allen Lebewesen zuträglichen Handeln förderlich.
Zur Pflege der Partnerschaft insbesondere sind zudem Tipps zu einer meditativ-intuitiven Partnermassage beigestellt. Zu weiterer Selbsterkundung ist die Beschreibung einer gesteuerten inneren Reise angefügt.
Die in diesem Buch gut zugänglich dargestellten Ratschläge wollen auf dem Weg zu einem gedeihlichen Leben die verlässliche Orientierung sein.
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REZENSION EINES SOGENANNTEN JUGENDBUCHS:
Deppen vorgeführt
Janne Teller: „Nichts Was im Leben wichtig ist“
Von Horst Nägele
»EIN BRUTALES UND MUTIGES BUCH. DIE ZEIT« steht auf dem knallroten Aufkleber eines aus dem Dänischen übersetzten Bändchens mit dem vermutlich gewollt unklaren Titel NICHTS Was im Leben wichtig ist (der, wo’s dadurch besser ankommen soll, auch mal als zu NICHTS gekürzt auftritt). Brutalität, Barbarei, eine Mutigkeit – nein danke!
Von einigem literarischen Interesse könnte das Büchlein wegen einiger Passagen so ab dem achtzehnten Kapitel sein, wo aus dem sonst wenig stimmigen Handlungsstrang sich ergebend das schreibende Ich seine Hurrah-Statisten als Deppen vorführt.
Der Buchtitel wie auch die einleitenden Sätze mit Variationen (wie sie ähnlich zum Beispiel in buddhistischer Literatur, bei Schopenhauer, bei Kierkegaard, bei Georg Büchner und etwas weitergeführt bei J. P. Jacobsen vorkommen) sollten sicher zum Nachdenken auffordern. Der Protagonist wurde schnell ausgegrenzt und am Schluss der Geschichte sadistisch hingemordet, was obendrein durch ein konstant aus dem Geschehen sich in den Vordergrund schiebendes weibliches »Ich« mit den Worten »Und ich weiß, dass man mit der Bedeutung [Bedeutung ist das Schlüsselwort der gesamten Handlung] nicht spaßen soll« kommentiert wird, unmittelbar gefolgt von einem vom übrigen Text abgehobenen Schlusssatz des ganzen Buches: »Nicht wahr, Pierre Anthon [das ist der Name des sadistisch hingemordeten Protagonisten]? Nicht wahr?«
Die prospektiven Bestsellerkunden reichlich bedienend wird in dem Buch konstant mit Gewaltandrohungen herumgeworfen und gegenseitiges Quälen, Abhacken von Körperteilen, psychischer Terror zur Darstellung gebracht wie auch mit einer aus diesem Kontext geschehenen psychisch nachhaltigen Vergewaltigung gespielt. Dazu war der Autorin, Janne Teller, zwanghaftes Mobbing in einer Schulklasse als Ausgangspunkt gerade recht, so ein Tatort ›Schulklasse‹ hat sich schon immer für umsatzfördernde Etikettierungen »Kinderbuch« angeboten. Entsprechend wird die deutsche Ausgabe von einer Abteilung ›Kinder- und Jugendbuch‹ des deutschen Verlegers betreut. Als lebten wir in einem Niemandsland, wo keiner die Verantwortung hat und niemand zu einem Regress herangezogen wird. In erster Linie zu hinterfragen wäre indessen die leichtfertige Prämierung der dänischen Originalausgabe durch das dänische Kulturministerium wie auch das unbekümmerte Ausschlachten des Buches durch die dänischen Schulbehörden für Examensaufgaben trotz begründeter mehrfacher Einwände von kompetenter Seite. Und was von vielen befürchtet wurde –dass junge Leser verschreckt und verstört vom Buch sind und gefährdet in der ihnen zustehenden seelischen Unversehrtheit – ist längst eingetreten.
Der Rezensent hat Sachbücher mit buddhistisch orientierten Meditationsanleitungen geschrieben, er vertritt eine zuträgliche Kommunikation in einer Bürgergesellschaft im Sinne des dänischen Theologen Grundtvig, des Initiators der Volkshochschulbewegung, und er ist Autor von Band 117, J. P. Jacobsen, der Sammlung Metzler.
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Horst Nägele: Die Heilkraft der Meditation |
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Horst Nägele Die Heilkraft der Meditation Eine praktische Anleitung zum richtigen Erlernen meditativer Übungen. Das Buch zeigt die wichtigsten Hilfen in der Meditationspraxis und ist für Einsteiger konzipiert, die die häufigsten Fehler vermeiden möchten. Die gewählte Art der Meditation geht auf die Lehre des berühmten Gautama Buddha (um 560 bis 480 v. Chr.) zurück. Das schon damals im Prinzip genauso angewandte Verfahren wurde auch durch die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse unserer Zeit noch nicht eingeholt. Nägele, Horst: Die Heilkraft der Meditation. 68 Seiten |
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Horst Nägele: Die Heilkraft der Massage |
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Horst Nägele Die Heilkraft der Massage Die Yoga Gesundheitsmassage ist in Indien zu Hause, wo sie der Autor kennen und schätzen gelernt und die einzelnen Handgriffe aufgezeichnet hat, wie sie ihm vermittelt wurden. Allgemein verständlich werden – mit den dokumentarischen Aufzeichnungen eines alten Wissens – aus erster Hand Fingerzeige gegeben, die sich der erfahrene Praktiker, wie der interessierte Laie zunutze machen können. Der Autor, Horst Nägele, Dr. phil., geboren 1934 in Stuttgart, ist seit den fünfziger Jahren für eine ökologisch stimmige Lebensqualität eingetreten und hat seitdem Yoga und Meditation praktiziert. Er leitete Kurse in autogenem Training, Yoga und Meditation. Horst Nägele: Die Heilkraft der Massage |
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